Werkzeuge · Video
KI-Video erstellen: welches Werkzeug wofür – und was ab August 2026 gilt
Ein Video ohne Kamera, ohne Drehtag, in wenigen Minuten – das ist heute technisch normal. Die schwierigen Fragen liegen woanders: Welche Bauart passt zu deinem Zweck, was heißt „kostenlos“ in der Praxis, und was musst du kennzeichnen? Genau darum geht es hier.
Drei Bauarten – und warum die Unterscheidung alles entscheidet
„KI-Video“ ist ein Sammelbegriff für Werkzeuge, die sehr verschiedene Dinge tun. Wer das falsche Werkzeug wählt, kämpft gegen die Software statt mit ihr.
- Avatar-Video (Skript zu Sprecher). Eine digitale Person spricht deinen Text. Sieht aus wie eine Aufnahme mit Kamera. Stark bei Schulung, Erklärvideo, interner Kommunikation, mehrsprachigen Varianten. Schwach, wenn echte Bewegtbilder gebraucht werden.
- Generatives Video (Text zu Szene). Aus einer Beschreibung entsteht eine komplett neue Szene. Stark bei Stimmungsbildern, B-Roll, Werbung, kreativen Sequenzen. Schwach bei allem, was exakt stimmen muss – Produktdetails, Schrift im Bild, wiedererkennbare Personen.
- Bild zu Video. Ein vorhandenes Foto wird in Bewegung gesetzt. Beliebt für Social Media und Produktaufnahmen, meist auf kurze Clips begrenzt.
- Sonderfall Übersetzung. Ein echtes Video wird per KI in andere Sprachen übertragen, inklusive angepasster Lippenbewegung. Rechtlich ist das kein „übersetztes Video“, sondern ein verändertes – dazu weiter unten mehr.
Was „kostenlos“ in der Praxis heißt
„KI-Video kostenlos“ ist mit Abstand die häufigste Suche in diesem Umfeld. Die Gratis-Stufen existieren wirklich – aber sie sind zum Ausprobieren gebaut, nicht zum Veröffentlichen. Typisch sind drei Einschränkungen:
- Wasserzeichen im fertigen Video.
- Keine kommerzielle Nutzung. Bei mehreren generativen Werkzeugen deckt die Gratis-Stufe ausdrücklich nur den privaten Gebrauch ab – für die Firmenwebsite reicht das nicht.
- Ein kleines Guthaben, das nach wenigen Videos aufgebraucht ist. Bei Avatar-Plattformen sind Gratis-Stufen oft auf eine Handvoll Videos pro Monat begrenzt.
Für einen einmaligen Test ist das ideal. Wer regelmäßig veröffentlicht, sollte von Anfang an mit einem bezahlten Tarif rechnen – und vor allem die Nutzungsrechte in den Bedingungen nachlesen, bevor das erste Video online geht.
Wofür Unternehmen KI-Video einsetzen
- Schulung und Einarbeitung – Inhalte, die sich oft ändern und sonst jedes Mal neu gedreht werden müssten
- Mehrsprachige Varianten – dasselbe Video in mehreren Sprachen, ohne mehrfachen Dreh
- Produkt- und Erklärvideos – als Ergänzung zu Marketing-Automatisierung und Kampagnen
- Social-Media-Formate – regelmäßige Sichtbarkeit ohne wiederkehrende Drehtermine
- Recruiting – Stellenanzeigen und Standortvorstellungen als Bewegtbild
Rechtsstand · KI-Verordnung
Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung gelten ab dem 2. August 2026. Der Verhaltenskodex zur Transparenz KI-generierter Inhalte samt der drei EU-Icons wurde am 10. Juni 2026 veröffentlicht; am 8. Juli 2026 hat die Kommission festgestellt, dass er die Pflichten aus Artikel 50 Absatz 2, 4 und 5 angemessen abdeckt. Die endgültigen Leitlinien zu Artikel 50 stehen noch aus – einzelne Grenzfälle sind daher nicht abschließend geklärt.
Zuletzt geprüft am 23. Juli 2026 · Quelle: Europäische Kommission · Änderungen führen wir unter Was sich geändert hat auf.
Kennzeichnungspflicht für KI-Videos
Ab dem Stichtag greifen die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung (EU AI Act). Sie treffen nicht nur die Hersteller der Werkzeuge, sondern ausdrücklich auch alle, die sie beruflich einsetzen – Unternehmen, Selbstständige, Behörden. Rein private Nutzung ist ausgenommen.
Für Video heißt das konkret: KI-erzeugte oder wesentlich veränderte Inhalte, die echt wirken können, müssen als solche erkennbar sein. Vier Beispiele, die in der Praxis oft übersehen werden:
- Ein Schulungsvideo mit KI-Avatar – auch wenn das Skript von dir stammt und inhaltlich alles korrekt ist
- Ein per KI übersetztes Video mit angepasster Lippenbewegung – das gilt als verändertes Material
- Eine geklonte Stimme, die einen Text einspricht
- Ein fotorealistischer Avatar deiner Geschäftsführung in einem LinkedIn-Video
Die Faustregel: Sobald aus einem echten Gesicht, einer echten Stimme oder echten Gesten etwas Neues entsteht, das so nie aufgenommen wurde, greift die Pflicht. Ein sichtbarer Hinweis im Video oder in der Beschreibung ist der übliche Weg; zusätzlich wird empfohlen, die Information maschinenlesbar in den Metadaten zu hinterlegen (Stichwort C2PA). Für offensichtlich künstlerische, satirische oder fiktionale Werke sieht die Verordnung eine abgeschwächte Form vor.
Quellen: Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689; Einordnungen der IHK Nürnberg für Mittelfranken und von datenschutz-generator.de, Stand Juli 2026. Für die maschinenlesbare Kennzeichnung durch die Anbieter werden abweichende Fristen und Übergangsregelungen diskutiert. Dieser Text ist eine inhaltliche Einordnung und keine Rechtsberatung.
Vier Wege zum KI-Video
- Selbst mit einem generativen Werkzeug. Günstig und schnell, aber das Ergebnis hängt stark davon ab, wie gut du beschreiben kannst, was du willst. Rechne mit vielen Versuchen.
- Avatar-Plattform im Abo. Planbar, gut für Serien und Schulungen. Ein eigener Avatar der eigenen Leute kostet meist extra.
- Agentur beauftragen. Sinnvoll, wenn Markenauftritt, Rechteklärung und Kennzeichnung mitlaufen sollen – oder wenn reale Personen abgebildet werden.
- Hybrid. Echte Aufnahmen aus dem Betrieb, ergänzt um KI-Sequenzen. In der Praxis oft das überzeugendste Ergebnis, weil das Vertraute echt bleibt.
Anbieter im Überblick
Angaben laut den Websites der Anbieter, Stand Juli 2026. Preise ändern sich in diesem Feld schnell – bitte vor einer Entscheidung selbst prüfen. Die Reihenfolge ist keine Rangfolge. Kein Anbieter bezahlt für seinen Eintrag, und wir erhalten derzeit auch keine Vergütung für vermittelte Anfragen. Beides kann sich ändern – bezahlte Platzierungen kennzeichnen wir dann unmittelbar am Eintrag als „Anzeige“, eine Vermittlungsvergütung weisen wir an dieser Stelle aus. Wie wir uns finanzieren, steht auf Transparenz.
Synthesia
Avatar-Plattform · Schulung & E-Learning
Videos entstehen aus Text, gesprochen von einem Stock-Avatar oder einem eigenen Personal Avatar. Der Anbieter nennt über 160 Sprachen und Stimmen, Vorlagen, automatische Untertitel, PowerPoint-Import und eine Funktion für personalisierte Videos in großer Zahl; ausgewiesen werden außerdem SOC 2 Type II, ISO 42001 und DSGVO-Konformität. SCORM-Export für Lernplattformen, SSO und unbegrenzte Videominuten sind laut Preisseite dem Enterprise-Tarif vorbehalten. Preise laut Preisseite des Anbieters: Basic kostenlos, Starter 29 $ im Monat (18 $ bei Jahreszahlung), Creator 89 $ (64 $ bei Jahreszahlung), Enterprise auf Anfrage. Ein Studio-Avatar ist ein kostenpflichtiges Zusatzpaket für 1.000 $ pro Jahr und nur in Jahrestarifen buchbar.
HeyGen
Avatar-Plattform · Übersetzung mit Lippensynchronität
Avatar-Videos, Videoübersetzung mit angepasster Lippenbewegung und personalisierte Videos in großer Zahl. Abgerechnet wird über Guthabenpunkte („Credits“), die für alle Funktionen gemeinsam gelten – aufwendigere Funktionen wie hochwertige Avatare oder lippensynchrone Übersetzung verbrauchen mehr davon als einfache. Preise laut Preisseite des Anbieters: kostenlose Stufe mit drei Videos im Monat, Creator 29 $ im Monat (24 $ bei Jahreszahlung) mit 600 Credits, Pro ab 49 $ mit 1.000 Credits, Business 149 $ mit 1.500 Credits zuzüglich 20 $ je weiterem Platz, Enterprise auf Anfrage. Im Business-Tarif lassen sich laut Anbieter Credits nachkaufen (100 Credits für 5 $).
Runway
Generativ · Text zu Video, Bild zu Video, Videobearbeitung
Generative Videoplattform mit Text-zu-Video, Bild-zu-Video und Videobearbeitung in einer Oberfläche. Aktuelles Modell ist Gen-4.5, das der Anbieter als sein bislang visuell genauestes und am besten steuerbares beschreibt. In derselben Ankündigung nennt Runway auch offene Schwächen des Modells, etwa Objekte, die zwischen Bildern verschwinden oder auftauchen. Es gibt eine kostenlose Stufe mit einmaligem Guthaben; die bezahlten Tarife rechnen über ein monatliches Kreditkontingent ab, dessen Verbrauch davon abhängt, welches Modell und welche Auflösung gewählt werden. Die Tarifstruktur hat sich 2026 mehrfach geändert – aktuelle Preise und Kreditmengen stehen auf der Preisseite von Runway.
AIdentical
Agentur Stuttgart · Hosting in Deutschland
Spezialisiert auf fotorealistische Avatare realer Personen aus dem Unternehmen – auf Wunsch als interaktiver „Digital Knowledge Twin“, der auf hinterlegtes Unternehmenswissen zugreift. Nach eigenen Angaben sprechen die Avatare über 100 Sprachen, das Hosting läuft DSGVO-konform auf deutschen Servern, und die Agentur ist offizieller HeyGen-Gold-Partner. Von der ersten Beratung bis zum fertigen Avatar vergehen laut Anbieter in der Regel drei bis vier Wochen, bei umfangreichen Wissensdatenbanken oder mehreren Sprachen sechs bis acht. Preise nennt die Agentur paketweise – das Paket „30-Tage Social Media Boost“ beginnt nach eigener Angabe bei rund 7.000 €.
KI-Video-Manufaktur
Agentur Stuttgart & Metzingen · hybride Produktion
Unternehmensvideos von Imagefilm über Produkt- und Erklärvideo bis Recruiting, auf Wunsch hybrid mit klassischem Dreh kombiniert. Die Agentur arbeitet nach eigenen Angaben werkzeugunabhängig mit mehreren Videomodellen – genannt werden unter anderem Google Veo, OpenAI Sora, Kling und Runway – und gibt eine durchschnittliche Lieferzeit von drei bis zehn Werktagen an. Personenbezogene Daten werden laut Anbieter ausschließlich auf europäischen Servern verarbeitet, mit Auftragsverarbeitungsvertrag. Preise nennt die Agentur nicht öffentlich; sie werden projektbezogen kalkuliert. Die Marke gehört wie AIdentical zur sensified AI GmbH; für Avatar-Projekte wird die Schwestermarke eingebunden.
MEDIADRIVE
Agentur Braunschweig · Realfilm, KI und 3D kombiniert
Filmproduktion seit 2005, inhabergeführt. KI kommt ergänzend zum Realfilm und zur technischen 3D-Animation hinzu – die Agentur nennt das „KI-Hybrid-Video“. Das Leistungsspektrum reicht von Image- und Werbefilm über Industrie-, Messe- und Produktfilm bis zum Recruiting-Video; Kunden sind nach eigenen Angaben Unternehmen, Behörden und Hochschulen. Zum Einsatz generativer KI hat die Agentur eigene ethische und rechtliche Leitlinien veröffentlicht. Angebote werden nach eigenen Angaben als Festpreis kalkuliert.
dreikon
Agentur · digitaler Zwilling nach Initialdreh
Nach einem professionellen Initialdreh entsteht ein fotorealistischer digitaler Zwilling samt geklonter Stimme. Weitere Promo-, Social-Media- und Vertriebsvideos entstehen danach allein aus neuen Skripten – mit unterschiedlichen Längen und Handlungsaufforderungen, auf Wunsch auch in weiteren Sprachen mit derselben Stimme. Die Agentur betont, dass der Avatar die Person nicht ersetzt, sondern die Reichweite ihrer Kommunikation verlängert.
Häufige Fragen
Kann ich ein KI-Video wirklich kostenlos erstellen?
Zum Testen ja. Zum Veröffentlichen meist nicht: Gratis-Stufen bringen typischerweise ein Wasserzeichen mit, ein kleines Guthaben und häufig nur private Nutzungsrechte. Für die Firmenwebsite reicht das in der Regel nicht.
Muss ich KI-Videos kennzeichnen?
Wenn du sie beruflich veröffentlichst und sie echt wirken können: ja. Das gilt auch für Avatar-Videos mit eigenem Skript und für per KI übersetzte Videos. Rein private Nutzung ist ausgenommen. Im Zweifel kennzeichnen – ein Hinweis kostet nichts.
Darf ich das Gesicht einer Mitarbeiterin als Avatar verwenden?
Nur mit ausdrücklicher, dokumentierter Einwilligung – und die sollte regeln, wofür der Avatar eingesetzt werden darf und was beim Ausscheiden passiert. Seriöse Agenturen klären das schriftlich vor Produktionsstart. Wer hier schludert, hat später ein Problem, das kein Werkzeug löst.
Wo liegen die Daten?
Bei den großen internationalen Plattformen meist außerhalb der EU oder bei US-Anbietern mit EU-Rechenzentren. Wenn Gesichter und Stimmen realer Personen verarbeitet werden, ist das eine Frage, die vor dem ersten Upload geklärt gehört – nicht danach. Deutsche Agenturen werben genau deshalb mit EU-Serverstandorten und Auftragsverarbeitungsverträgen.
Umsetzung anfragen
Sag uns kurz, was für ein Video entstehen soll. Wir sehen uns deine Anfrage an und leiten sie an die passenden Anbieter aus dem Verzeichnis weiter. Kostenlos und unverbindlich.
Wie wir mit deinen Daten umgehen, steht in unserer Datenschutzerklärung.
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