Recht · KI-Verordnung
KI-Kennzeichnungspflicht: was seit dem 2. August 2026 gilt
Seit diesem Tag greifen die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung, maßgeblich in der seit dem 27. Juli 2026 geltenden geänderten Fassung. Sie treffen nicht nur die Hersteller von KI-Systemen, sondern auch Unternehmen, Selbstständige und Behörden, die KI beruflich einsetzen. Ausgelöst wird die Pflicht aber nicht durch den KI-Einsatz an sich. Auf der Herstellerseite hängt sie an der Art des Systems – an Systemen, die unmittelbar mit Menschen interagieren, und an solchen, die Bilder, Ton, Video oder Text erzeugen. Auf der Anwenderseite hängt sie an dem, was Sie damit tun: Deepfakes veröffentlichen, Emotionen oder biometrische Merkmale auswerten, oder die Öffentlichkeit mit KI-Texten über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren. Hier steht, was gekennzeichnet werden muss, was ausdrücklich nicht – und wie die neuen EU-Icons funktionieren.
Stand: September 2026, auf Grundlage der Verordnung (EU) 2024/1689 in der Fassung der Änderungsverordnung (EU) 2026/1744. Dieser Text ist eine inhaltliche Einordnung und keine Rechtsberatung.
Rechtsstand · KI-Verordnung
Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung gelten seit dem 2. August 2026. Maßgeblich ist die Verordnung (EU) 2024/1689 in der Fassung der Änderungsverordnung (EU) 2026/1744, die am 27. Juli 2026 in Kraft getreten ist. Am 20. Juli 2026 hat die Kommission ihre Leitlinien zu Artikel 50 veröffentlicht; sie erläutern unter anderem, was als Deepfake gilt und wie die Offenlegung platziert sein muss. Eine Übergangsfrist gibt es nur an einer einzigen Stelle: für die maschinenlesbare Kennzeichnung und Erkennbarkeit nach Artikel 50 Absatz 2, und nur bei Systemen, die schon vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren. Deren Anbieter müssen sie nach Artikel 111 Absatz 4 erst ab dem 2. Dezember 2026 erfüllen. Alle übrigen Pflichten aus Artikel 50 gelten ohne Übergang.
Zuletzt geprüft am 28. September 2026 · Quellen: Europäische Kommission, Fragen und Antworten zu Artikel 50 und Verhaltenskodex für die Transparenz von KI-generierten Inhalten · Änderungen führen wir unter Was sich geändert hat auf.
Zwei Rollen, zwei verschiedene Pflichten
Ein naheliegender Einwand lautet: „Das betrifft OpenAI, nicht mich.“ Die Verordnung verteilt die Aufgabe aber auf zwei Rollen, und die zweite ist die, die Sie betrifft.
- Anbieter (die Hersteller der KI-Systeme) müssen ihre Ausgaben maschinenlesbar markieren – über Wasserzeichen oder Metadaten. Diese Pflicht steht unbedingt in Artikel 50 Absatz 2 Satz 1; der Vorbehalt „soweit technisch möglich“ bezieht sich im Normtext nicht auf die Markierung selbst, sondern darauf, dass die technische Lösung wirksam, interoperabel, belastbar und zuverlässig sein muss. Ausgenommen sind Systeme, die eine unterstützende Funktion für die Standardbearbeitung ausführen – oder die die Eingabedaten und deren Bedeutung nicht wesentlich verändern. Es genügt eine der beiden Voraussetzungen; die Verordnung verknüpft sie mit „oder“. War das System schon vor dem 2. August 2026 auf dem Markt, hat der Anbieter dafür bis zum 2. Dezember 2026 Zeit. Das passiert im Hintergrund und ist nicht Ihre Baustelle.
- Betreiber – also wer ein KI-System in eigener Verantwortung beruflich nutzt, ob Unternehmen, Selbstständige oder Behörde – müssen bestimmte Inhalte für Menschen sichtbar offenlegen. Maßgeblich ist die Rolle, nicht die Veröffentlichung: Betreiber ist nach Artikel 3 Nummer 4, wer das System einsetzt. Und die Pflicht erfasst nicht jeden KI-Inhalt, sondern Deepfakes, KI-Texte zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse sowie den Einsatz von Emotionserkennung und biometrischer Kategorisierung. Das ist Ihre Baustelle.
Beide Ebenen sind unabhängig voneinander. Eine Datei kann technisch markiert sein, ohne dass jemand das sieht – und ein sichtbares Icon sagt nichts darüber aus, ob die Datei maschinenlesbare Herkunftsinformationen enthält. Die rein private Nutzung ist enger ausgenommen, als es zunächst klingt: Artikel 2 Absatz 10 nimmt allein die Pflichten von Betreibern aus, die natürliche Personen sind und ein KI-System im Rahmen einer ausschließlich persönlichen und nicht beruflichen Tätigkeit verwenden. Die Anbieterpflichten bleiben davon unberührt – das Bild, das Sie privat erzeugen, trägt die maschinenlesbare Markierung des Anbieters trotzdem. Und die Kommission zieht die Grenze bei der Regelmäßigkeit: Wer mit einer Tätigkeit regelmäßig einen wirtschaftlichen Vorteil erzielt, handelt beruflich.
Was Sie kennzeichnen müssen
Ein Punkt vorweg, weil er oft dem Anwender zugeschrieben wird: Dass man mit einer KI schreibt oder spricht, muss der Anbieter des Systems offenlegen, nicht Sie. Artikel 50 Absatz 1 verpflichtet ihn, das System so zu gestalten, dass die Menschen es erfahren – es sei denn, es ist aus Sicht einer angemessen informierten, aufmerksamen und verständigen Person aufgrund der Umstände offensichtlich. Die Kommission legt diese Ausnahme eng aus. Wenn Sie einen fremden Chatbot auf Ihrer Website einsetzen, sollten Sie also prüfen, ob der Hinweis tatsächlich erscheint – verantwortlich dafür ist der Anbieter. Das betrifft jeden Website-Chatbot und jeden Telefonassistenten.
- Deepfakes. KI-erzeugte oder veränderte Bild-, Ton- und Videoinhalte, die wirklichen Personen, Gegenständen, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen ähneln und einer Person fälschlicherweise als echt oder wahrheitsgemäß erscheinen würden. Die Kommission zerlegt das in drei Merkmale, die zusammen vorliegen müssen: eine hohe Ähnlichkeit, ein Bezug auf etwas, das existiert oder plausibel existieren könnte, und die Eignung, über die Echtheit zu täuschen. Ein Avatar-Video, eine geklonte Stimme oder ein per KI übersetztes Video mit angepasster Lippenbewegung fällt darunter, sobald es eine wirkliche Person betrifft – nicht schon deshalb, weil die Technik im Spiel war.
- Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung. Wer ein solches System einsetzt, muss die betroffenen Personen über den Betrieb des Systems informieren – über den Betrieb, nicht notwendig über dessen Zweck. Artikel 50 Absatz 3 verlangt im selben Satz, personenbezogene Daten nach der Datenschutz-Grundverordnung zu verarbeiten.
- Bestimmte KI-Texte. Nur solche, die veröffentlicht werden, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren.
Was Sie nicht oder nur abgeschwächt kennzeichnen müssen
Diese Seite der Medaille ist für den Arbeitsalltag genauso wichtig:
- Interne Nutzung – für Texte. Protokolle, Auswertungen und E-Mail-Entwürfe, die nur im Team gelesen werden, brauchen keine Kennzeichnung: Die Textpflicht setzt eine Veröffentlichung voraus. Für die beiden anderen Betreiberpflichten gilt das nicht. Ein Emotionserkennungssystem, das Sie im eigenen Betrieb einsetzen, löst die Informationspflicht gegenüber den eigenen Leuten aus. Und die Offenlegung eines Deepfakes schulden Sie jeder natürlichen Person, die ihm ausgesetzt ist – auch wenn das Kolleginnen und Kollegen sind.
- Normale Werbe- und Produkttexte. Ein mit KI geschriebener Produkttext oder Newsletter fällt nicht unter die Textpflicht – die greift nur bei Themen von öffentlichem Interesse.
- Redaktionell verantwortete Texte. Diese Ausnahme gilt nach dem Wortlaut nur für Texte, nicht für Bilder, Ton oder Video. Und sie hat zwei Voraussetzungen, die zusammen vorliegen müssen: Der Inhalt muss einem Verfahren der menschlichen Überprüfung oder der redaktionellen Kontrolle unterzogen worden sein, und eine natürliche oder juristische Person muss die redaktionelle Verantwortung für die Veröffentlichung tragen. Eine Rechtschreib- oder Grammatikprüfung genügt dafür nach Auffassung der Kommission ausdrücklich nicht.
- Frei erfundene Motive. Ein Drache über der Frankfurter Skyline ist kein Deepfake – aber aus einem anderen Grund, als es zunächst naheliegt. Die Skyline ist ein wirklicher Ort, das Merkmal des Bezugs auf Existierendes ist also erfüllt. Was fehlt, ist das dritte Merkmal: Das Bild erscheint niemandem fälschlich als echt. Die Kommission fasst das Merkmal „wirklich“ dabei weit und bezieht ein, was plausibel existieren könnte; ein fotorealistisches Porträt einer Person, die es nicht gibt, die es aber geben könnte, ist damit nicht ohne Weiteres aus der Pflicht heraus. Bei erkennbar künstlerischen, kreativen, satirischen oder fiktionalen Werken entfällt die Pflicht nicht, sondern wird abgeschwächt: Die Offenlegung muss in geeigneter Weise erfolgen, die den Genuss des Werks nicht beeinträchtigt.
Die drei EU-Icons
Seit dem 10. Juni 2026 gibt es ein einheitliches Erkennungszeichen: Die EU-Kommission hat im Rahmen des Verhaltenskodex zu Artikel 50 drei Symbole veröffentlicht – ein Basis-Icon, eines für vollständig KI-generierte Inhalte und eines für teilweise KI-veränderte Inhalte. Die Beschriftung der Icons ist englisch: „AI GENERATED“ und „AI MODIFIED“. Bei deutschsprachigen Inhalten bietet sich deshalb ein zusätzlicher deutscher Texthinweis an. Die Symbole stehen kostenlos zum Download bereit, in vier Varianten – schwarz, weiß und beide mit 50 Prozent Transparenz – als ZIP im SVG- und im PNG-Format.
Zwei Missverständnisse, die teuer werden können:
- Die Icons sind freiwillig, die Pflicht ist es nicht. Die Kommission formuliert das genauso: Die Verwendung der EU-Icons ist optional, die Kennzeichnungsanforderungen des Artikels 50 sind es nicht. Sie dürfen die Offenlegung auch mit einem klaren Texthinweis oder einem eigenen Label erfüllen. Der Verhaltenskodex vom 10. Juni 2026 bindet nur seine Unterzeichner; wer ihn nicht unterzeichnet, muss die Einhaltung auf anderem angemessenen Weg nachweisen.
- Ein Icon allein macht nichts rechtskonform. Die Kommission schreibt auf ihrer Seite zu den EU-Icons, die Verwendung der Symbole begründe für sich genommen keine Rechtskonformität; die Betreiber blieben dafür verantwortlich, dass ihre Offenlegung den Anforderungen des Artikels 50 genügt. Das Symbol ist ein Hinweiszeichen, keine Freistellung.
Zur Platzierung: Der Hinweis gehört an den Inhalt selbst, nicht auf eine separate Unterseite – spätestens beim ersten Sichtkontakt, deutlich unterscheidbar und an einer Stelle, die nicht von anderen Bedienelementen überdeckt wird. Er soll auch dann sichtbar bleiben, wenn der Inhalt geteilt oder heruntergeladen wird. Eine feste Position oder Größe gibt die Kommission nicht vor; die vollständigen Platzierungsvorgaben stehen in Abschnitt 2 des Verhaltenskodex. Ein Eintrag nur im Alt-Text reicht nicht. Bei Bildern ist die Kennzeichnung ohnehin nur die eine Hälfte der Rechtsfragen: Wem ein KI-Bild überhaupt gehört und was die Bedingungen der einzelnen Anbieter dazu sagen, steht unter KI-Bilder und Urheberrecht. Praktisch gilt: Einheitlichkeit schlägt Perfektion. Legen Sie ein Vorgehen fest und ziehen Sie es überall gleich durch.
Neue Verbote der Änderungsverordnung: ab 2. Dezember 2026
Die Änderungsverordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026, seit dem 27. Juli 2026 in Kraft, fügt der KI-Verordnung zwei neue verbotene Praktiken hinzu. Sie betreffen KI-Systeme, die nicht einvernehmliche intime Darstellungen realer Personen erzeugen oder verändern, und solche, die Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs erzeugen oder verändern. Verboten sind nach Artikel 5 das Inverkehrbringen, die Inbetriebnahme und die Verwendung solcher Systeme. Mit der Kennzeichnungspflicht hat das keinen Berührungspunkt, den man sich zunutze machen könnte: Was verboten ist, wird durch einen Hinweis nicht zulässig.
Der Geltungsbeginn steht in Artikel 113 Buchstabe a der geänderten Fassung. Die Kapitel I und II gelten danach seit dem 2. Februar 2025, ausgenommen sind aber die neuen Buchstaben ba und bb des Artikels 5 Absatz 1 sowie dessen Absätze 1a und 1b – für diese ist der 2. Dezember 2026 gesetzt. Der AI Act Service Desk der Kommission nennt dasselbe Datum. Für die betriebliche Praxis ändert der Termin wenig, weil beide Fälle in Deutschland regelmäßig auch Strafrecht und Persönlichkeitsrecht berühren, unabhängig davon, ab wann die europäische Regel greift. Wir nennen den Punkt trotzdem, weil eine Seite über die Pflichten aus der KI-Verordnung deren Stand vollständig wiedergeben sollte. Eine Rechtsberatung ist das nicht.
In fünf Schritten umsetzen
- Bestandsaufnahme. Welche KI-Werkzeuge sind im Einsatz, und was davon erzeugt Inhalte, die nach außen gehen? Chatbot, Bildgenerator, Übersetzung, Avatar-Video, Stimme.
- Aussortieren. Streichen Sie alles, was rein intern bleibt oder redaktionell verantwortet wird. Was übrig bleibt, ist meist deutlich weniger als befürchtet.
- Kennzeichnung festlegen. Ein Standard für alle Fälle: welches Symbol oder welche Formulierung, in welcher Größe, an welcher Stelle.
- Abläufe und Verträge anpassen. Wer kennzeichnet – die Person, die den Inhalt erstellt, oder die, die ihn veröffentlicht? Bei Agenturen und Freien gehört das in den Vertrag.
- Dokumentieren. Festhalten, was Sie entschieden haben und warum. Das ist im Zweifel der Nachweis gegenüber der Aufsicht.
Der wunde Punkt: Metadaten überleben das Teilen nicht
Die maschinenlesbare Ebene arbeitet mit Verfahren wie C2PA – signierten Herkunftsnachweisen, bei denen jede Änderung an der Datei oder an den Herkunftsdaten die Signatur dieses Standes ungültig macht. Das ist der Zweck: Eine Manipulation soll auffallen. Die Herkunftskette selbst reißt dadurch nicht ab, solange mit einem C2PA-fähigen Werkzeug gearbeitet wird – es schreibt ein neues, signiertes Manifest, das den vorherigen Stand als Zutat führt. Verloren gehen können die Nachweise aber trotzdem: Die Spezifikation stellt selbst fest, dass sich die Herkunftsdaten entfernen lassen. Dagegen gibt es inzwischen sogenannte Soft Bindings – unsichtbare Wasserzeichen oder ein Abgleich über Fingerabdrücke der Datei –, mit denen sich das Manifest auch dann wiederfinden lässt, wenn es nicht mehr in der Datei steckt. Verlassen Sie sich als Betreiber auf keine dieser Ebenen: Ihre Offenlegung muss ohne technische Hilfsmittel wahrnehmbar sein.
Anlaufstellen
Redaktionell ausgewählte Anlaufstellen und Quellen, Stand September 2026 – Behörden, Kammern und Fachanbieter. Die Reihenfolge ist keine Rangfolge. Einträge sind nicht bezahlt; anders als bei unseren Anbieterlisten sind bezahlte Platzierungen hier derzeit nicht vorgesehen. Für vermittelte Anfragen erhalten wir derzeit keine Vergütung – sollte sich das ändern, weisen wir es an dieser Stelle aus. Wie wir uns finanzieren, steht auf Transparenz.
Links zuletzt geprüft: 09/2026.
EU-Kommission
Quelle · Icons kostenlos
Die offizielle Seite zu den EU-Icons: Download aller drei Symbole in vier Varianten – schwarz, weiß und beide mit 50 Prozent Transparenz –, als ZIP im SVG- und im PNG-Format. Die Seite fasst die Darstellungsregeln zusammen und verweist für die vollständigen Platzierungsvorgaben auf Abschnitt 2 des Verhaltenskodex. Die Symbole dürfen ohne Namensnennung der Kommission verwendet werden.
IHK
Erstinformation · frei zugänglich
Die Industrie- und Handelskammern haben Einordnungen zu den Transparenzpflichten veröffentlicht. Verlinkt ist der Beitrag der IHK Nürnberg vom 17. Juli 2026; er nennt die Pflichten nach Artikel 50, die verschobenen Regelungen und die Erleichterungen für kleine und mittlere Unternehmen. Der Beitrag ist ohne Anmeldung abrufbar; was Ihre Kammer darüber hinaus anbietet, erfahren Sie bei der für Sie zuständigen IHK.
IT-Recht Kanzlei
Kanzleibeitrag · Formulierungshilfen
Der verlinkte Beitrag einer Rechtsanwaltskanzlei vom 30. Juni 2026 behandelt die Icon-Regeln und ist ohne Anmeldung abrufbar. Er enthält deutschsprachige Formulierungsvorschläge, geordnet nach den drei Icon-Varianten – Basis-Icon, „AI GENERATED“ und „AI MODIFIED“. Dazu kommen Hinweise zu Platzierung, Alt-Text und ARIA-Label.
Datenschutz-Generator
Praxisratgeber · frei zugänglich
Der verlinkte Ratgeber einer Rechtsanwaltskanzlei ordnet ein, welche Pflicht wen trifft, und trennt dabei Anbieter, Betreiber und einzelne Beschäftigte. Er behandelt daneben Altinhalte, Plattformregeln, Bußgelder und die Frage, wann eine fehlende Kennzeichnung strafrechtlich relevant werden kann. Der Beitrag ist ohne Anmeldung abrufbar; er trägt den Stand 29. Juli 2026.
Häufige Fragen
Muss ich jeden Text kennzeichnen, den ich mit KI geschrieben habe?
Nein. Die Textpflicht greift nur bei Inhalten, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren sollen – die Kommission zählt dazu unter anderem Politik und demokratische Verfahren, Verwaltung, Justiz, Grundrechte, öffentliche Gesundheit, Umweltschutz und Verbrauchersicherheit. Produktbeschreibungen, Werbetexte und interne Kommunikation fallen regelmäßig nicht darunter. Die Pflicht entfällt außerdem, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Der Inhalt hat eine menschliche Überprüfung oder eine redaktionelle Kontrolle durchlaufen, und eine natürliche oder juristische Person trägt die redaktionelle Verantwortung für die Veröffentlichung. Die redaktionelle Verantwortung allein genügt nicht. Und auf diese Ausnahme können Sie sich nur bei Texten berufen, nicht bei Bildern, Ton oder Video.
Reicht ein Hinweis in der Datenschutzerklärung?
Nein. Die Offenlegung gehört dorthin, wo der Inhalt wahrgenommen wird – am Bild, im Video, im Chatfenster –, und sie muss spätestens zum Zeitpunkt der ersten Interaktion oder Exposition vorliegen. Sie muss für Menschen verständlich und wahrnehmbar sein, ohne dass jemand ein besonderes Werkzeug öffnen muss. Die Kommission stellt ausdrücklich klar, dass die maschinenlesbare Markierung, die der Anbieter nach Absatz 2 einbettet, Ihre Offenlegungspflicht als Betreiber nicht erfüllt.
Muss ich die EU-Icons verwenden?
Nein, sie sind freiwillig. Ein klarer Texthinweis genügt ebenfalls. Der Vorteil der Icons: Sie sind standardisiert, kostenlos und Sie können im Streitfall argumentieren, dass sie den Anforderungen genügen.
Was passiert bei Verstößen?
Verstöße gegen die Transparenzpflichten aus Artikel 50 können nach Artikel 99 Absatz 4 Buchstabe g der KI-Verordnung mit einer Geldbuße bis zu 15 Millionen Euro oder bis zu 3 Prozent des gesamten weltweiten Jahresumsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahres geahndet werden – maßgeblich ist der höhere der beiden Beträge. Für kleine und mittlere Unternehmen einschließlich Start-ups gilt nach Artikel 99 Absatz 6 umgekehrt der jeweils niedrigere Wert. Deutlich höhere Sätze, die im Umlauf sind, gehören zu anderen Verstoßkategorien: Für die verbotenen Praktiken nach Artikel 5 sieht Artikel 99 Absatz 3 bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent vor.
In Deutschland ist die Zuständigkeit inzwischen geregelt. Das KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetz vom 22. Juli 2026 bestimmt in § 2 Absatz 1 die Bundesnetzagentur zur zuständigen Marktüberwachungsbehörde, soweit das Gesetz nichts anderes vorsieht; nach § 17 Absatz 1 sind die Marktüberwachungsbehörden zugleich die Verwaltungsbehörden für die Bußgelder. Es gibt Ausnahmen: Für Mediendiensteanbieter, die KI zu journalistischen oder zu Werbezwecken einsetzen, liegt die Aufsicht nach § 2 Absatz 8 bei den nach Landesrecht zuständigen Behörden, für beaufsichtigte Finanzunternehmen bei der BaFin und für öffentliche Stellen der Länder bei den Landesbehörden. Wer eine belastbare Einschätzung für den eigenen Fall braucht, fragt eine spezialisierte Kanzlei.
Passenden Anbieter anfragen
Sagen Sie uns kurz, welche KI-Werkzeuge bei Ihnen nach außen wirken. Wir sehen uns Ihre Anfrage an und geben sie an die Anbieter aus dem Verzeichnis weiter, die fachlich dazu passen – es können sich also mehrere bei Ihnen melden. Gemeint sind Anbieter aus unserem Verzeichnis; die oben genannten Anlaufstellen erhalten Ihre Anfrage nicht. Kostenlos und unverbindlich. Eine Rechtsberatung ersetzt das nicht.
Vielen Dank für deine Antwort. ✨
Wie wir mit Ihren Daten umgehen, steht in unserer Datenschutzerklärung.
Weitere Themen: KI-Video erstellen · Chatbot für Website · KI-Beratung · KI-Agenten für Unternehmen · ChatGPT im Unternehmen · E-Mail-Automatisierung