KI-Kompetenz · Schulung
KI-Schulung für Mitarbeiter
Seit Februar 2025 müssen Unternehmen, die KI-Systeme anbieten oder einsetzen, für ausreichende KI-Kompetenz der Personen sorgen, die damit arbeiten. Was das konkret heißt, legt die KI-Verordnung bewusst nicht fest – weder Format noch Umfang noch Zertifikat. Hier steht, was die Bundesnetzagentur dazu sagt, welche kostenlosen Angebote sie nennt und welche Anbieter Schulungen verkaufen.
Stand: Juli 2026. Dieser Text ist eine inhaltliche Einordnung und keine Rechtsberatung.
Was Artikel 4 verlangt
Artikel 4 der KI-Verordnung gilt seit dem 2. Februar 2025. Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen danach Maßnahmen, um „nach besten Kräften“ sicherzustellen, dass ihr Personal und andere Personen, die in ihrem Auftrag KI-Systeme betreiben oder nutzen, über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen. Berücksichtigt werden dabei technische Kenntnisse, Erfahrung, Ausbildung und der Einsatzkontext.
Die Bundesnetzagentur nennt in ihrer Orientierungshilfe vier Grundsteine: den individuellen Bedarf ermitteln, die Maßnahmen daran ausrichten, sie regelmäßig auffrischen und sie dokumentieren. Zur Dokumentation gehören demnach die Art der Maßnahmen, ihr inhaltlicher und zeitlicher Umfang sowie die teilnehmenden Personen.
Was nicht vorgeschrieben ist
Das ist der Punkt, an dem sich Angebot und Rechtslage häufig auseinanderentwickeln. Die Bundesnetzagentur führt ausdrücklich auf, was für die Einhaltung von Artikel 4 nicht verlangt wird:
- keine formalisierten oder standardisierten Trainingsmaßnahmen
- keine externen Zertifizierungen der durchgeführten Maßnahmen
- kein KI-Beauftragter
- keine regelmäßige Vorabprüfung der Maßnahmen durch Aufsichtsbehörden
Ebenso schreibt die Verordnung kein Format vor. Nach Darstellung der Bundesnetzagentur reicht die Bandbreite von Selbstlernprogrammen über Workshops und Schulungen bis zu mehrstufigen Fortbildungsprogrammen, und die Maßnahmen können organisationsintern wie -extern durchgeführt werden. Eine gekaufte Schulung ist damit ein möglicher Weg, nicht der vorgeschriebene.
Zum 2. August 2026
Ab diesem Datum gilt der überwiegende Teil der KI-Verordnung, darunter die Regeln zur Marktüberwachung. Die Kompetenzpflicht selbst gilt schon seit Februar 2025. Zum selben Datum greifen auch die Transparenzpflichten – dazu steht mehr auf KI-Kennzeichnungspflicht.
Kostenlose Angebote, auf die die Bundesnetzagentur hinweist
Die Bundesnetzagentur listet auf ihrer Seite zur KI-Kompetenz mehrere kostenfreie Anlaufstellen und Kurse auf. Sie stehen hier, weil sie zur Sache gehören – nicht als Empfehlung und nicht als Vergleich zu den Angeboten weiter unten.
- Mittelstand-Digital Zentren. Im Netzwerk stehen laut Bundesnetzagentur etwa 100 KI-Trainer bereit, die kleine und mittlere Unternehmen individuell und anbieterneutral unterstützen – mit Workshops, Vorträgen und Demonstratoren.
- European Digital Innovation Hubs. Unterstützung für KMU und öffentliche Einrichtungen, unter anderem beim Aufbau von Digitalisierungskompetenz.
- Kostenlose Online-Kurse. Genannt werden das Lernportal des appliedAI Institute, Elements of AI und der KI-Campus.
- Material der EU-Kommission. Das KI-Büro sammelt Umsetzungsbeispiele und stellt FAQ zur KI-Kompetenz bereit.
Quelle: Bundesnetzagentur, Seite „KI-Kompetenz“, abgerufen im Juli 2026.
Woran sich Angebote unterscheiden
Die Angebote im Markt sind unterschiedlich zugeschnitten. Diese Fragen helfen beim Sortieren, ohne dass es dafür eine allgemein richtige Antwort gäbe:
- Zielgruppe. Geht es um alle Mitarbeitenden, um Führungskräfte oder um eine Rolle wie Entwicklung, HR oder Compliance?
- Format. Selbstlernkurs, Live-Seminar, Inhouse-Termin oder Lehrgang über mehrere Module?
- Nachweis. Teilnahmebescheinigung, Zertifikat des Anbieters oder Prüfung durch eine getrennte Zertifizierungsstelle?
- Bezug zum eigenen Betrieb. Werden die tatsächlich eingesetzten Systeme und deren Risiken behandelt oder nur Grundlagen?
- Aktualisierung. Wird der Inhalt gepflegt, und wie werden Auffrischungen abgebildet?
- Dokumentation. Liefert der Anbieter Teilnahmedaten in einer Form, die sich als Nachweis ablegen lässt?
Anbieter im Überblick
Angaben laut den Websites der Anbieter. Links und Preisangaben zuletzt geprüft: 07/2026. Die Reihenfolge ist keine Rangfolge. Kein Anbieter bezahlt für seinen Eintrag, und wir erhalten derzeit auch keine Vergütung für vermittelte Anfragen. Beides kann sich ändern – bezahlte Platzierungen kennzeichnen wir dann unmittelbar am Eintrag als „Anzeige“, eine Vermittlungsvergütung weisen wir an dieser Stelle aus. Wie wir uns finanzieren, steht auf Transparenz.
activeMind.academy
E-Learning · Abschlusstest mit Zertifikat · SCORM-Export
Lernplattform der activeMind AG mit Onlinekursen zu Datenschutz, Informationssicherheit, künstlicher Intelligenz, Arbeitssicherheit und Compliance. Zur KI-Kompetenz gibt es nach Anbieterangaben je einen Kurs für Mitarbeitende und einen für Führungskräfte. Der Abschlusstest umfasst elf Fragen; wer mindestens sieben richtig beantwortet, kann ein Zertifikat herunterladen. Für die Einbindung in eine eigene Lernumgebung wird ein SCORM-Export angeboten.
TÜV Rheinland Akademie
Seminare und Lehrgänge · Präsenz und online · Digital Badge
Weiterbildungsanbieter der TÜV Rheinland Gruppe mit einem Themenbereich zu künstlicher Intelligenz und Datenanalyse. Dazu zählen nach Anbieterangaben Seminare für verschiedene Kenntnisstufen, ein E-Learning zur EU-KI-Verordnung und der Lehrgang „KI-Beauftragter (TÜV)“. Nach der Teilnahme wird ein digitaler Badge per E-Mail verschickt, der den Seminartitel nennt und auf eine Verifizierungsseite verlinkt.
Haufe Akademie
Offene Seminare · Inhouse · E-Learning
Weiterbildungsanbieter mit Sitz in Freiburg, nach eigenen Angaben seit 1978 am Markt. Angeboten werden Seminare vor Ort, live online und als Inhouse-Schulung sowie E-Learnings; die eigene Website spricht von 160 KI-Trainings. Zum Thema gehören unter anderem ein Tagesseminar mit rechtlichem Schwerpunkt und ein Seminar zum EU AI Act. Die Inhouse-Seite nimmt ausdrücklich auf Artikel 4 der KI-Verordnung Bezug.
Fraunhofer IAIS
Forschungsinstitut · Zertifizierung nach ISO 17024 · Preise veröffentlicht
Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme. Das Schulungsangebot reicht nach eigener Beschreibung von niedrigschwelligen Einstiegskursen über Briefings für das Management bis zu technischen Deep Dives, ergänzt um Zertifizierungen nach ISO 17024. Prüfung und Schulung sind getrennte Anmeldungen, die Prüfung nimmt die Fraunhofer-Personenzertifizierungsstelle ab. Für den „Kompakteinstieg Künstliche Intelligenz“ nennt die Anbieterseite vier Stunden plus E-Learning, höchstens 20 Teilnehmende und eine Gebühr von 590 Euro, steuerfrei nach § 4 Nr. 22a UStG.
Bitkom Akademie
Verbandsakademie · Live-Seminare und Web Based Trainings · Bildungsurlaub möglich
Weiterbildungsangebot des Branchenverbands Bitkom, nach eigenen Angaben mit jährlich über 400 Weiterbildungen. Die KI-Kompetenzschulungen werden als Live-Seminare sowie als E-Learnings und Web Based Trainings angeboten und orientieren sich laut Anbieter am Umsetzungsleitfaden des Bitkom; Inhouse-Varianten lassen sich auf Farben, Schrift und eigene Anwendungsbeispiele anpassen. Zum Abschluss gibt es eine Teilnahmebescheinigung oder ein Zertifikat. Die Akademie ist eigenen Angaben zufolge anerkannter Bildungsträger in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
Häufige Fragen
Sind KI-Schulungen Pflicht?
Pflicht ist die KI-Kompetenz, nicht die Schulung in einer bestimmten Form. Artikel 4 verlangt Maßnahmen, mit denen Anbieter und Betreiber nach besten Kräften ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz sicherstellen. Welche Maßnahmen das sind, entscheidet die Organisation nach ihrem Bedarf – die Bundesnetzagentur nennt ausdrücklich auch interne Maßnahmen und Selbstlernprogramme als mögliches Format.
Brauchen wir ein Zertifikat?
Für die Einhaltung von Artikel 4 ist nach Darstellung der Bundesnetzagentur keine externe Zertifizierung der durchgeführten Maßnahmen vorgeschrieben. Ein Zertifikat kann trotzdem sinnvoll sein, etwa als Beleg für die eigene Dokumentation oder weil es intern verlangt wird. Das ist eine betriebliche Entscheidung, keine Vorgabe der Verordnung.
Reicht ein kostenloses Online-Angebot?
Die Verordnung schreibt kein Format vor, also lässt sich das nicht pauschal beantworten. Maßgeblich sind laut Bundesnetzagentur die Rolle der Organisation, die eingesetzten Systeme, das damit verbundene Risiko und die Vorkenntnisse der beteiligten Personen. Ein Grundlagenkurs deckt anderes ab als eine rollenspezifische Schulung – ob das im konkreten Fall genügt, ist eine Frage des Bedarfs.
Was sollte dokumentiert werden?
Die Bundesnetzagentur empfiehlt, die getroffenen Maßnahmen gut zu dokumentieren, und nennt dafür die Art der Maßnahmen, ihren inhaltlichen und zeitlichen Umfang sowie die teilnehmenden Personen. Sie weist außerdem darauf hin, dass ein Mangel an KI-Kompetenz als Verletzung der Sorgfaltspflicht gewertet werden kann, insbesondere wenn dadurch ein Schaden entsteht.
Was kostet eine KI-Schulung?
Das hängt vom Format ab und lässt sich nicht seriös als eine Zahl angeben. Nicht alle Anbieter veröffentlichen Preise; in der Liste oben steht ein Preis nur dort, wo der Anbieter ihn selbst nennt. Bei Inhouse-Terminen und Lehrgängen wird in der Regel individuell kalkuliert, bei Selbstlernkursen häufig pro Person. Für eine Einordnung hilft die Frage, ob pro Kopf, pro Termin oder pro Lizenz abgerechnet wird und ob Auffrischungen enthalten sind.
Wer muss geschult werden?
Artikel 4 erfasst das eigene Personal und andere Personen, die im Auftrag der Organisation mit dem Betrieb oder der Nutzung von KI-Systemen befasst sind. Dazu zählen laut Bundesnetzagentur auch Auftragnehmer und Dienstleister. Die Pflicht gilt unabhängig von Branche und Organisationsgröße und ist nicht an die Risikoklasse des Systems gebunden.
Umsetzung anfragen
Schreib uns, wen ihr schulen wollt und mit welchen KI-Systemen gearbeitet wird. Wir sehen uns deine Anfrage an und geben sie an die Anbieter aus dem Verzeichnis weiter, die fachlich dazu passen – es können sich also mehrere bei dir melden. Kostenlos und unverbindlich.
Wie wir mit deinen Daten umgehen, steht in unserer Datenschutzerklärung.
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